Am 29. August wird Romain Gioux solo bei den 24 Stunden von Le Mans Radrennen an den Start gehen.
Ein Rennen, das er bereits kennt, da er in der Vergangenheit schon als Teil eines Teams daran teilgenommen hat. Dieses Mal nimmt die Herausforderung jedoch eine völlig andere Dimension an. Über 24 Stunden hinweg wird er seine Anstrengung, seine Ernährung, seine Erholung, seinen Blutzuckerspiegel, seine Konzentration und die Unwägbarkeiten eines einzigartigen Ausdauerrennens allein bewältigen müssen.
Seit mehreren Monaten bereitet er sich mit großer Sorgfalt auf dieses Ereignis vor. Lange Trainingseinheiten, Indoor-Sessions, Ernährungstests und Vorbereitungsrennen prägen seinen Weg nach Le Mans.
Kurz vor dem Start gewährt er uns einen Einblick in seine Vorbereitung und erklärt, warum er sich für dieses außergewöhnliche Abenteuer entschieden hat.
Eine Herausforderung, die sich ganz natürlich ergeben hat
Die Idee, die 24 Stunden von Le Mans solo zu bestreiten, entstand im vergangenen Sommer.
Wie viele leidenschaftliche Sportler setzt sich Romain regelmäßig neue Ziele. Diesmal suchte er nach einer Herausforderung, die ambitioniert genug war, um ihn aus seiner Komfortzone zu holen, und gleichzeitig dem treu blieb, was ihn seit jeher antreibt: dem Radfahren.
Dieses Rennen hat für ihn eine besondere Bedeutung. Bereits 2013 nahm er mit einem Team aus sechs Radfahrern mit Diabetes daran teil. Seitdem hat ihn der Gedanke an eine Rückkehr nie ganz losgelassen. Als er begann, über ein neues sportliches Projekt nachzudenken, waren die 24 Stunden von Le Mans schnell die naheliegende Wahl.
Bereits im September 2025 begann er, sein Projekt zu strukturieren, Partner zu suchen und sich vorzustellen, was ein solches Abenteuer bedeuten könnte.
Diese Herausforderung ist auch die logische Fortsetzung seines sportlichen Werdegangs. Als ehemaliger Profi-Radfahrer, Triathlet, Leistungssportler und heute aktiver Para-Cycling-Athlet wollte Romain nicht einfach nur an einem Langstreckenrennen teilnehmen. Er wollte ein bedeutungsvolles Projekt aufbauen, das Leistung, Gesundheit, unsichtbare Behinderung und Aufklärungsarbeit miteinander verbindet.
Eine langfristig aufgebaute Vorbereitung
Die Teilnahme an einem 24-Stunden-Rennen lässt sich nicht improvisieren. Hinter einer solchen Herausforderung stehen Monate sorgfältiger Vorbereitung, in denen Beständigkeit genauso wichtig ist wie das Trainingsvolumen.
Seit mehreren Monaten widmet Romain einen großen Teil seiner Freizeit der Vorbereitung auf dieses Ziel. Sein Trainingsplan umfasst fünf bis sechs Einheiten pro Woche und insgesamt etwa fünfzehn Trainingsstunden. Straßenradfahren, Indoor-Cycling und Rudereinheiten wechseln sich ab, um seine Ausdauer zu verbessern und gleichzeitig unterschiedliche körperliche Reize zu setzen.
Ein großer Teil dieser Vorbereitung fand in Innenräumen statt, insbesondere mit Kinomap. Zwischen Oktober und Februar trainierte Romain sogar ausschließlich mit der App. Im Dezember 2025 absolvierte er eine seiner bemerkenswertesten Einheiten: zehn Stunden ununterbrochenes Indoor-Training – eine Erfahrung, die sowohl körperlich als auch mental äußerst anspruchsvoll war.
Für ihn ist das Indoor-Training nicht nur eine praktische Lösung. Es ist auch eine Möglichkeit, seine Vorbereitung an seine idiopathische bilaterale Vestibulopathie anzupassen. Bestimmte Bedingungen im Freien, wie schlechte Lichtverhältnisse, Abfahrten, schnelle Kurven oder unebene Straßen, erfordern deutlich mehr Konzentration und Energie. Das Training auf dem Smart Trainer und dem Rudergerät ermöglicht es ihm daher, Ausdauer, Konstanz und mentale Stärke in einer kontrollierteren Umgebung zu entwickeln.
Kinomap nimmt in dieser Vorbereitung ganz selbstverständlich einen besonderen Platz ein. Neben seiner Tätigkeit im Unternehmen ermöglicht ihm die App, auch während langer Indoor-Einheiten mit realen und immersiven Strecken verbunden zu bleiben.
Je näher der Wettkampf rückt, desto stärker verändert sich die Ausrichtung des Trainings. Das Ziel besteht nicht mehr nur darin, möglichst viele Kilometer zu sammeln, sondern den Körper schrittweise an langanhaltende Belastungen zu gewöhnen. Bei einem 24-Stunden-Rennen werden Energiemanagement, Tempokontrolle und Erholung oft wichtiger als reine Leistungswerte.
Ein erster Test vor Le Mans
Vor deinem großen Ziel im August hast du an den „8 Heures de Charade“ teilgenommen. Dieses Rennen ist weit mehr als nur ein Vorbereitungswettkampf. Es dient als echter Härtetest vor seinem Hauptziel.
Der Wettbewerb wird ihm ermöglichen, verschiedene Aspekte seiner Vorbereitung zu überprüfen, seine Ernährungsstrategie zu testen und die Reaktionen seines Körpers auf eine lange Solo-Belastung zu analysieren. Außerdem bietet er die Gelegenheit, das Management von Pausen weiter zu optimieren – ein oft entscheidender Faktor bei Ausdauerwettkämpfen.
Für Romain ist diese Etappe eine wertvolle Möglichkeit, Erfahrungen und wichtige Erkenntnisse zu sammeln, bevor er in Le Mans an den Start geht. Denn auch wenn das Training die körperliche Leistungsfähigkeit aufbaut, zeigen sich manche Faktoren erst unter echten Wettkampfbedingungen.
Der Umgang mit Müdigkeit, das Bewahren der Konzentration über viele Stunden hinweg, die Zuverlässigkeit des Materials, die Wirksamkeit der Ernährungsstrategie, die Reaktionen des Blutzuckerspiegels oder die Fähigkeit, trotz mentaler Erschöpfung fokussiert zu bleiben – all diese Aspekte lassen sich im Training nur schwer vollständig simulieren. Solche Zwischenwettkämpfe spielen daher eine entscheidende Rolle: Sie verwandeln theoretische Vorbereitung in praktische Erfahrung und ermöglichen es, das große Ziel mit mehr Selbstvertrauen und Gelassenheit anzugehen.
Die richtige Balance während des Rennens finden
Bei einem 24-Stunden-Rennen reicht Training allein nicht aus. Die Ernährung wird zu einem entscheidenden Leistungsfaktor. Eine konstante Energiezufuhr, das Vermeiden von Leistungseinbrüchen und die kontinuierliche Versorgung deiner Muskulatur während der gesamten Belastung können über den Rennverlauf hinweg den entscheidenden Unterschied machen.
Für Romain ist es noch anspruchsvoller, diese Balance zu finden. Mit Typ-1-Diabetes muss er nicht nur den Energiebedarf seines Körpers decken, sondern auch seinen Blutzuckerspiegel möglichst konstant halten. Eine permanente Herausforderung, bei der jede Entscheidung zählt.
Seit mehreren Monaten nutzt er jede Trainingseinheit, um seine Ernährungsstrategie weiter zu verfeinern. Welche Lebensmittel eignen sich am besten? Wann sollte er essen? Wie reagiert sein Körper nach mehreren Stunden Belastung? Training für Training entwickelt er Schritt für Schritt eine Routine, die ihn über die gesamten 24 Stunden hinweg begleiten soll.
Mit Diabetes darf nichts dem Zufall überlassen werden. Belastungsintensität, Müdigkeit, Stress oder Tempowechsel beeinflussen den Blutzuckerspiegel unmittelbar. Je besser Romain die Reaktionen seines Körpers kennt, desto besser kann er diese Veränderungen vorhersehen und seine Entscheidungen während des Rennens entsprechend anpassen.
Ein kontinuierlicher Glukosesensor liefert ihm heute wertvolle Echtzeitdaten. Doch Technologie allein reicht nicht aus. Es sind vor allem die Erfahrungen aus den vergangenen Monaten, die Anpassungen bei jeder Trainingseinheit und das Schritt für Schritt aufgebaute Vertrauen in den eigenen Körper, die ihm die nötige Sicherheit geben, diese Herausforderung erfolgreich anzugehen.
Eine sportliche, aber vor allem persönliche Herausforderung
Wenn Romain über seine Ziele für dieses 24-Stunden-Rennen spricht, bleibt er bewusst zurückhaltend. Bei einer so langen Veranstaltung können viele Faktoren das Endergebnis beeinflussen: das Wetter, der Umgang mit Müdigkeit, die Dauer der Pausen oder einfach die Tagesform.
Wenn alles optimal läuft, rechnet er damit, zwischen 850 und 900 Kilometer zurückzulegen. Ein ehrgeiziges Ziel, das sowohl seinen Vorbereitungsstand als auch seinen Wunsch widerspiegelt, seine Grenzen auszuloten.
Denn Romain geht nicht nur an den Start, um das Rennen zu beenden. Er möchte auch herausfinden, wozu er fähig ist, und sehen, wie weit er mit einer Strategie kommen kann, die auf seine persönlichen Voraussetzungen abgestimmt ist.
Zwischen seinem Typ-1-Diabetes, seiner idiopathischen bilateralen Vestibulopathie und den Anforderungen eines Ultra-Ausdauerwettkampfs wird jeder gefahrene Kilometer das Ergebnis monatelanger Vorbereitung und sorgfältiger Anpassungen sein.
Doch jenseits von Leistung und Zahlen hat diese Herausforderung vor allem eine persönliche Bedeutung. Sie bietet ihm die einzigartige Möglichkeit, mehr über sich selbst zu lernen, zu beobachten, wie Körper und Geist auf 24 Stunden ununterbrochene Belastung reagieren und seine eigenen Grenzen weiter zu verschieben.
Ein Projekt, das von vielen Menschen getragen wird
Auch wenn Romain allein auf seinem Fahrrad an den Start gehen wird, ist diese Herausforderung alles andere als ein Einzelprojekt.
Seit mehreren Monaten wird er von Familie, Freunden, Partnern und Fachleuten begleitet. Jeder bringt Unterstützung, Erfahrung oder wertvolle Ratschläge ein, damit er das Rennen unter bestmöglichen Bedingungen angehen kann.
Kinomap nimmt dabei selbstverständlich einen besonderen Platz ein. Als Verantwortlicher für die Qualität der Inhalte im Unternehmen seit 2020 erhält Romain Unterstützung, die ihm hilft, dieses Abenteuer zu verwirklichen. Diese Partnerschaft trägt unter anderem zur Finanzierung von Reisen, Unterkünften, Startgebühren sowie bestimmter Ausrüstung bei, die für die Vorbereitung und die Umsetzung des Projekts erforderlich ist.
Über den sportlichen Aspekt hinaus weckt dieses Vorhaben auch das Interesse verschiedener medizinischer Fachkräfte. Die 24 Stunden von Le Mans bieten eine seltene Gelegenheit zu beobachten, wie eine Person mit idiopathischer bilateraler Vestibulopathie auf eine extreme Ausdauerbelastung reagiert.
Diese Erkrankung ist in der Öffentlichkeit noch wenig bekannt und wissenschaftlich bislang nur begrenzt dokumentiert. Die Erfahrungen von Romain und die während der Vorbereitung und des Rennens gesammelten Daten könnten dazu beitragen, besser zu verstehen, wie sich der Körper trotz dieser Einschränkungen an langanhaltende Belastungen anpasst.
Dabei geht es nicht darum, eine formelle wissenschaftliche Studie durchzuführen. Das Ziel ist bescheidener, aber ebenso wichtig: eine reale Erfahrung zu dokumentieren, Beobachtungen aus der Praxis zu teilen und einer noch weitgehend unbekannten Erkrankung mehr Sichtbarkeit zu verschaffen.
Mit diesem Projekt möchte Romain dazu beitragen, die idiopathische bilaterale Vestibulopathie bekannter zu machen und zu zeigen, dass ehrgeizige sportliche Ziele trotz der Herausforderungen einer solchen Erkrankung erreichbar sein können.
Treffpunkt auf dem Bugatti Circuit
Je näher der Start rückt, desto mehr geht die Vorbereitung in ihre entscheidende Phase über. Das Training wird fortgesetzt, die letzten Details werden abgestimmt und die Vorfreude wächst.
Am 29. August wird schließlich der Moment kommen, an den Start zu gehen und herauszufinden, was 24 Stunden ununterbrochene Belastung tatsächlich bereithalten.
Eines ist sicher: Unabhängig von der zurückgelegten Distanz wird dieses Abenteuer für Romain eine Gelegenheit sein, seine Grenzen weiter zu erforschen, seine Erfahrungen zu teilen und eine Botschaft zu vermitteln, die ihm besonders am Herzen liegt.
Bis zum Start könnt ihr Romains Vorbereitung verfolgen und einen Blick hinter die Kulissen seines Projekts werfen – auf Instagram und LinkedIn unter dem Namen Romain Gioux.
Und bleibt dran: Nach den 24 Stunden von Le Mans veröffentlichen wir einen dritten Artikel, in dem wir auf seine Leistung, seine Eindrücke im Ziel und die nächsten Herausforderungen seiner sportlichen Reise zurückblicken.
Entdecke den ersten Teil unseres Porträts von Romain Gioux und erfahre mehr über seinen Weg, die Herausforderungen, denen er sich gestellt hat, und was ihn dazu bewegt hat, diese außergewöhnliche Herausforderung anzunehmen: Sport, Typ-1-Diabetes und eine seltene Erkrankung: Der Weg von Romain Gioux

