Addiction rameur

Warum macht Rudern Lust darauf, immer wieder weiterzumachen?

Du setzt dich zum ersten Mal auf ein Rudergerät und denkst, dass es wahrscheinlich eintönig, mechanisch oder sogar langweilig sein wird? Und dann passiert etwas. Deine Trainingseinheiten werden länger, ohne dass du es wirklich bemerkst.

Du kommst häufiger zurück als geplant und spürst etwas, das sich nur schwer erklären lässt. Es ist eine tiefe, fast meditative Zufriedenheit, die Lust darauf macht, wieder anzufangen.

Das ist kein Zufall. Rudern hat eine ganz besondere Wirkung auf dein Gehirn. Hier erfährst du, warum.

1. Was Rudern mit deinem Gehirn macht

Wie jede länger anhaltende körperliche Belastung fördert auch Rudern die Ausschüttung von Endorphinen. Diese Botenstoffe werden während körperlicher Aktivität auf natürliche Weise vom Gehirn freigesetzt und sorgen für ein Gefühl von Wohlbefinden, manchmal sogar von Euphorie. Häufig spricht man dabei vom sogenannten „Runner’s High“ – doch dieses Gefühl kann genauso gut beim Rudern entstehen.

Hinzu kommt Dopamin, ein Botenstoff, der eng mit unserem Belohnungssystem verbunden ist. Nach jeder Trainingseinheit registriert dein Gehirn eine Belohnung. Das gilt auch, wenn du dein Tempo verbesserst oder deine Bewegung flüssiger wird. Nach und nach verbindet dein Gehirn Rudern mit einer positiven Erfahrung. Genau dieser Mechanismus sorgt dafür, dass du immer wieder zurückkommen möchtest.

Es ist also nicht nur Willenskraft. Es ist auch Neurochemie.

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2. Rudern als Training für den Kopf

Was das Rudergerät von vielen anderen Cardiogeräten unterscheidet, ist die Komplexität der Bewegung. Effizient zu rudern bedeutet, Beine, Oberkörper und Arme in einer flüssigen Bewegung zu koordinieren. Gleichzeitig kontrollierst du deine Atmung und deinen Rhythmus. Beine, Hüfte, Rücken und Arme haben jeweils eine bestimmte Aufgabe. Jede Bewegung erfolgt in einer festen Reihenfolge und zum richtigen Zeitpunkt.

Für Anfänger ist diese Koordination eine echte mentale Herausforderung. Dein Gehirn ist vollständig gefordert: Es bleibt kaum Platz für störende Gedanken, To-do-Listen oder die Sorgen des Tages. Die Konzentration, die der Bewegungsablauf verlangt, verankert dich im Hier und Jetzt – fast wie eine Form der aktiven Meditation.

Und genau diese vollständige Konzentration sorgt dafür, dass die Zeit auf dem Rudergerät so schnell vergeht. Dein Gehirn ist beschäftigt, fokussiert und stimuliert. Zwanzig Minuten können vergehen, ohne dass du überhaupt merkst, wie schnell die Zeit vergangen ist.

3. Flow: Wenn der Körper übernimmt

Es gibt einen mentalen Zustand, den viele Leistungssportler kennen und den der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi beschrieben hat: den Flow. Es ist dieser Moment, in dem deine Konzentration vollkommen ist, sich die Anstrengung fließend anfühlt, die Bewegung fast von selbst passiert und das Gefühl für die Zeit nahezu vollständig verschwindet.

Auf dem Rudergerät kann sich dieser Zustand mit zunehmender Übung ganz natürlich einstellen. Am Anfang erfordert jede Phase der Bewegung bewusste Aufmerksamkeit: die Hände richtig positionieren, mit den Beinen drücken, den Oberkörper öffnen, den Griff heranziehen, die Rückbewegung kontrollieren. Doch durch Wiederholung und einen gleichmäßigen Rhythmus automatisiert sich die Bewegung nach und nach. Dein Gehirn muss nicht mehr jede einzelne kleine Bewegung bewusst steuern. Es kann sich vom Rhythmus, von der Atmung und vom Bewegungsfluss tragen lassen.

Ich persönlich habe diesen Zustand am häufigsten während längerer Einheiten mit einer niedrigen Schlagfrequenz von etwa 18 bis 22 Schlägen pro Minute erlebt. Wenn die Bewegung automatisch wird, die Atmung ihren natürlichen Rhythmus findet und der Körper wie eine gut geölte Maschine arbeitet, verschwindet das Zeitgefühl. Du hast das Gefühl, immer weiter rudern zu können. Und genau diese Erfahrung macht das Rudern so besonders – und so schnell süchtig.

4. Eine gesunde Sucht

Nach einer Einheit, in der du diesen Zustand erreicht hast, spürst du nicht einfach nur Müdigkeit. Du empfindest eine tiefe und anhaltende Zufriedenheit. Das Gefühl, vollkommen präsent gewesen zu sein, ganz in deinem Körper und vollständig bei dem, was du getan hast.

Für viele Menschen ist das Rudergerät auch ein ganz eigener mentaler Raum. Für mich persönlich ist es einer der wenigen Orte, an denen ich den Kopf wirklich frei bekomme. Nicht, weil Rudern passiv wäre – ganz im Gegenteil. Sondern weil die Konzentration, die es erfordert, kaum Raum für etwas anderes lässt. Nach einer Trainingseinheit fühlst du dich klarer im Kopf, entspannter und voller neuer Energie – ein Gefühl, das durchaus mit einer Meditationssession vergleichbar sein kann.

Genau diese Kombination aus körperlicher Anstrengung, mentaler Konzentration und Wohlbefinden nach dem Training erklärt, warum so viele Menschen immer wieder zum Rudergerät zurückkehren – selbst nach vielen Jahren.

5. Und welche Rolle spielt Kinomap dabei?

Auch deine Umgebung kann dazu beitragen, dass du leichter in einen Flow-Zustand kommst. Wenn dein Gehirn einer Landschaft folgen kann, eine Strecke vor sich hat oder einem Rhythmus folgt, der von einer Trainerstimme vorgegeben wird, muss es weniger mentale Energie darauf verwenden, die Trainingseinheit einfach nur „durchzuhalten“.

Die immersiven Trainingseinheiten auf Kinomap schaffen genau diesen Raum: Deine Aufmerksamkeit richtet sich auf die Landschaft, die vor dir vorbeizieht, während sich der Bewegungsablauf beim Rudern leichter automatisieren kann.

So entsteht ein positiver Kreislauf: geringer empfundene Anstrengung, mehr Engagement und ein leichterer Zugang zum Flow – selbst für Anfänger.

Zusammengefasst

Wenn Rudern süchtig machen kann, dann deshalb, weil es etwas Seltenes auslöst: einen fast hypnotischen Zustand, in dem dein Körper handelt, ohne dass dein Kopf jede einzelne Bewegung kontrollieren muss.

Die mentale Herausforderung des Bewegungsablaufs – koordinieren, atmen, den Rhythmus halten – beschäftigt dein Gehirn gerade genug, um den Lärm des Alltags auszublenden, ohne es dabei zu überfordern. Und sobald sich der Flow einstellt, verschwindet das Zeitgefühl, die Anstrengung fühlt sich fast angenehm an und der Wunsch, wiederzukommen, entsteht ganz von selbst.

Es ist diese besondere Kombination aus vollständiger mentaler Konzentration, dem zunehmenden Loslassen der bewussten Kontrolle und dem anhaltenden Wohlbefinden nach dem Training, die erklärt, warum Rudern eine so besondere Form der Begeisterung auslösen kann.

Die gute Nachricht? Diese Art von Sucht kann dir richtig guttun.

Von Élodie Ravera, Leistungssportlerin im französischen Rudernationalteam, dreimalige Olympiafinalistin (Rio 2016, Tokio 2020, Paris 2024), Europameisterin 2018, staatlich geprüfte Sporttrainerin und Gründerin von RowConcept.

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